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Der Konsum von Schokolade aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive

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Roman Rossfeld:  Der Konsum von Schokolade aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive

Roman Rossfeld beabsichtigtin seinem Artikel nachzuweisen wie eng der Konsum von Nahrungs- und Genussmittel an kulturelle, gesellschaftliche Normen gebunden ist und es diesbezüglich seitens der Industrie geschickter Lenkungsversuche bedarf, um diese tradierten, geschlechterspezifischen Rollen aufzubrechen und neuen Wertevorstellungen Raum zu geben.

Rossfeld spannte einen Bogen vom 16. Jahrhundert, indem ausschließlich Erwachsene Schokolade genossen, über das bürgerliche Geschlechtermodell, welches Frauen und Kindern den Schokoladeverzehr zusprach und damit einhergehend von Macht und Verantwortung ausschloss. Dieses Kakaoprodukt - gemeinhin mit weiblichen Attributen besetzt - wurde bereits zu jener Zeit in der Werbung als etwas vorgestellt, womit Mütter ihren Kindern Freude bereiten und noch heute werden jene weiblichen Zuschreibungen in der Werbewelteingesetzt (z.B. Kindermilchschokolade).
Auch Milka bewarb Frauen mit der „zartesten Versuchung, seit es Schokolade gibt“ von 1973 bis 2011 ehe die Marketing-Strategie mit dem Claim „Trau dich zart zu sein“ einen neuen alten Weg[1]beschritt und den Ball zwecks Absatzoptimierung den Männern zuspielte. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen seitens der Industrie neue Absatzmärkte zu erschließen und den Männern Schokolade schmackhaft zu machen. Werbeplakate suggerierten, dass Schokolade ein schneller Energielieferant und eine ideale Notration bei sportlichen Aktivitäten oder im Militärbereich sei. Männer zeigten sichallerdings bis ins 20 Jahrhundert schokoladeresistent.
Interessant wäre eine neue Studie zu diesem Thema, welche nicht nur soziokulturelle Aspekte erforscht, denn der stark angestiegene Zuckerkonsum in allen Lebensmitteln der Generation Y könnte natürlich Auswirkungen auf den Schokoladekonsum bei Männern evozieren. Früher war Schokolade nicht immer verfügbar und teuer, aber heutzutage ist Schokolade oft billiger als ein Apfel.
Oder spielt in diesem Zusammenhang das kulturelle Gedächtnis, (Identität einer Gruppe, die durch andere bestimmt wird[2]) welchesals kulturelle IdentifikationGruppentraditionen formt [3] eine Rolle?



[1]https://hypesrus.com/blog/2011/02/14/milka-ab-2011-nicht-mehr-die-zarteste-versuchung-seit-es-schokolade-gibt/, 10.05.2017.
[2] Harald,Welzer 2004. Gedächtnis und Erinnerung. In F., Jaeger & J.,Rüsen (Hg.), Handbuch der Kulturwissenschaften. Bd. 3: Themen und Tendenzen (155-174). Stuttgart: Metzler. S. 167 f.
[3] Jan, Assmann 1988. Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität. In Assmann & Hölscher (Hg.), Kultur und Gedächtnis. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 9-19.
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